Warum ist Sonnenschutz nicht nur im Sommer wichtig?
Viele Jahre lang herrschte die Vorstellung, Sonnenschutzcreme sei ausschließlich für Urlaubsreisen und Strandaufenthalte bestimmt. Die moderne Dermatologie und Kosmetologie lassen jedoch keinen Zweifel: Sonnenschutz ist die Grundlage einer ganzjährigen Hautpflege. Die Sonnenstrahlung, die uns täglich erreicht – unabhängig von Jahreszeit, Temperatur oder Bewölkungsgrad –, verursacht sofortige Zellschäden. Sichtbare Folgen sind eine vorzeitige Hautalterung, der Verlust ihrer Elastizität sowie unschöne Pigmentflecken.
Ein bewusster Umgang mit Hautpflege setzt voraus, dass man versteht, dass die Sonne verschiedene Arten von Wellen aussendet, die unterschiedlich tief in unser Gewebe eindringen. Diese Tatsache zu ignorieren und an bewölkten Tagen auf Sonnenschutz zu verzichten, ist der häufigste Fehler, der die Wirkung selbst der teuersten Anti-Aging-Seren oder fortschrittlicher kosmetischer Behandlungen zunichtemacht.
UVA-, UVB- und HEV-Strahlung – lernen Sie Ihren Gegner kennen
Um die Haut wirksam zu schützen, müssen wir genau wissen, wovor wir sie schützen. Das die Erdoberfläche erreichende Sonnenspektrum bringt Gefahren unterschiedlicher Art mit sich.
UVB (Burn) – verantwortlich für Sonnenbrand und Hautrötungen
UVB-Strahlung macht etwa 5 % der gesamten ultravioletten Strahlung aus, die die Erde erreicht. Sie zeichnet sich durch eine kurze Wellenlänge (280–320 nm) aus und dringt hauptsächlich in die äußere Hautschicht – die Epidermis – ein. Sie ist für die Synthese von Vitamin D verantwortlich, verursacht aber zugleich sichtbare Rötungen, Sonnenbrände und direkte DNA-Schäden der Zellen, wodurch das Risiko für Hautkrebs, einschließlich des malignen Melanoms, drastisch steigt. Ihre Intensität variiert je nach Jahres- und Tageszeit – im Sommer ist sie zwischen 10:00 und 15:00 Uhr am stärksten.
UVA (Aging) – der stille Kollagenkiller (dringt durch Glasscheiben!)
UVA macht bis zu 95 % der UV-Strahlung aus. Es hat eine längere Wellenlänge (320–400 nm), wodurch es tief bis in die Lederhaut eindringen kann. Es wirkt heimtückisch: Es verursacht keine Schmerzen und keinen sofortigen Sonnenbrand, zerstört jedoch Kollagen- und Elastinfasern und erzeugt dabei enorme Mengen freier Radikale. UVA-Strahlung weist das ganze Jahr über eine konstante Intensität auf – sie dringt durch Wolken sowie Fenster- und Autoscheiben. Sie ist die Hauptursache der Lichtalterung (tiefe Falten, Verlust der Hautstraffheit) und dauerhafter Pigmentflecken.
HEV-Licht (Blue Light) – warum lässt ein Smartphone die Haut ebenfalls schneller altern?
Hochenergetisches sichtbares Licht (High Energy Visible Light), allgemein als „blaues Licht“ bezeichnet, wird sowohl von der Sonne als auch von Smartphone-, Laptop- und Fernsehbildschirmen ausgestrahlt. Studien belegen, dass HEV tiefer in die Haut eindringt als UV-Strahlung und bis zu den Hautschichten gelangt, in denen sich Fibroblasten befinden. Es löst starken oxidativen Stress aus, beschleunigt die Faltenbildung und verstärkt schwer entfernbare Pigmentflecken (Melasma), insbesondere bei Menschen mit dunklerem Teint. Daher ist Hautschutz auch bei der Arbeit im Büro und vor Computerbildschirmen notwendig.
Was bedeuten die Abkürzungen SPF und PA auf Kosmetikverpackungen?
Bei der Auswahl eines Sonnenschutzprodukts finden wir auf dem Etikett Angaben, die den Schutzgrad vor bestimmten Strahlungsarten bestimmen. Sie richtig zu lesen, ist der Schlüssel zu einer bewussten Kaufentscheidung.
SPF-Wert (Sun Protection Factor) – Schutz vor UVB
Der SPF-Wert gibt an, wie gut ein Kosmetikprodukt die Haut vor durch UVB-Strahlung verursachten Sonnenbränden schützt. Mathematisch betrachtet gilt: Wenn ohne Filter nach t Minuten eine Rötung auf Deiner Haut auftritt, verlängert sich diese Zeit durch die Anwendung eines SPF-30-Filters theoretisch auf 30 × t. In der Praxis sehen die Schutzstufen folgendermaßen aus:
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SPF 15 – blockiert etwa 93 % der UVB-Strahlung.
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SPF 30 – blockiert etwa 97 % der UVB-Strahlung.
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SPF 50 – bietet den höchsten standardmäßigen Schutz und blockiert etwa 98 % der UVB-Strahlung.
Kein Produkt bietet 100 % Schutz. Daher ist der Unterschied zwischen SPF 30 und SPF 50 zwar prozentual gering, aber für empfindliche, zu Couperose oder Pigmentflecken neigende Haut entscheidend.
PA-Skala – Schutz vor UVA
Das in Japan entwickelte PA-System (Protection Grade of UVA) informiert über den Schutzgrad vor UVA-Strahlen und basiert auf dem PPD-Wert (Persistent Pigment Darkening). Der Schutzgrad wird durch Pluszeichen angegeben:
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PA+ – geringer Schutz vor UVA.
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PA++ – mäßiger Schutz.
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PA+++ – hoher Schutz.
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PA++++ – extrem hoher Schutz (am begehrtesten bei der täglichen Anti-Aging-Pflege).
Arten von Sonnenschutzfiltern: physikalische, chemische und Filter der neuen Generation
Photoprotektive Substanzen werden abhängig von ihrer chemischen Struktur und ihrem Wirkmechanismus auf der Haut in Gruppen eingeteilt.
| Eigenschaft / Filterart | Physikalische Filter (mineralisch) | Traditionelle chemische Filter | Filter der neuen Generation (stabil) |
| Wichtigste Vertreter | Zinkoxid (Zinc Oxide), Titandioxid (Titanium Dioxide). | Avobenzone, Octocrylene, Oxybenzone. | Tinosorb M, Tinosorb S, Uvinul A Plus, Mexoryl XL. |
| Wirkmechanismus | Sie wirken wie Mikrospiegel – sie reflektieren und streuen UV-Strahlen auf der Hautoberfläche. | Sie absorbieren die Energie der Sonnenstrahlung und wandeln sie in harmlose Wärme um. | Sie vereinen die Eigenschaften chemischer und physikalischer Filter: Sie absorbieren UV-Strahlung stark und reflektieren sie teilweise. |
| Vorteile | Äußerst stabil, sicher für empfindliche Haut und Kinder und wirken sofort nach dem Auftragen. | Leichte Textur, hellen die Haut nicht auf und eignen sich ideal unter Make-up. | Fotostabil, weisen kein allergenes Potenzial auf und erfordern in der Stadt keine häufige erneute Anwendung. |
| Nachteile | Sie können einen weißen Film hinterlassen, sich schwer anfühlen und die Haut leicht austrocknen. | Sie können sich unter Sonneneinstrahlung abbauen und möglicherweise die Augen sowie empfindliche Haut reizen. | Sie sind in der Herstellung teurer und schwieriger in sehr matten Texturen zu formulieren. |
Tipp von der Kosmetologin: Die besten modernen Sonnenschutzcremes sind Hybridformulierungen. Sie kombinieren mineralische Filter mit modernen organischen Filtern und bieten dadurch ein maximales Schutzspektrum bei einer ultraleichten, angenehmen Textur.
Wie wählt man eine SPF-Creme passend zum Hauttyp aus?
Ein Sonnenschutzprodukt erfüllt seine Aufgabe nicht, wenn du es nach einigen Tagen wegen verstopfter Poren oder übermäßigen Glanzes absetzt. Das Produkt muss genau auf die Bedürfnisse deiner Haut abgestimmt sein.
SPF für zu Akne neigende, fettige und Mischhaut
Menschen mit diesem Hauttyp haben häufig Bedenken hinsichtlich „schwerer“ Formulierungen. Achte auf Produkte mit der Kennzeichnung nicht komedogen, mit der leichten Textur eines Gels, Fluids oder einer mattierenden Emulsion. Inhaltsstoffe wie Kieselerde, Niacinamid oder Zink PCA helfen dabei, die Talgproduktion im Laufe des Tages zu regulieren. Moderne chemische und gemischte Filter eignen sich hier hervorragend, ohne die Ausgänge der Talgdrüsen zu belasten.
Filter für trockene, dehydrierte und reife Haut
Trockene Haut liebt SPF-Cremes mit einer reichhaltigen, nährenden Textur. Das ideale Produkt sollte zusätzliche feuchtigkeitsspendende und die Hautbarriere regenerierende Inhaltsstoffe enthalten: Hyaluronsäure, Ceramide, Squalan und Glycerin. Für reife Haut ist eine gleichzeitig starke antioxidative Wirkung entscheidend – Vitamin E, Coenzym Q10 oder Grünteeextrakt verstärken die Anti-Aging-Wirkung des Filters.
Schutz für Haut mit Pigmentflecken und zu Rötungen neigender Haut
Bei einer Neigung zu Rötungen und platzenden Äderchen sind mineralische Filter die ideale Wahl (Zinkoxid wirkt beruhigend und entzündungshemmend). Bei der Bekämpfung von Pigmentflecken (sonnenbedingten, hormonellen oder postaknebedingten) sind SPF 50+ und PA++++ der absolute Standard. Empfehlenswert sind Produkte mit Vitamin C, Tranexamsäure oder Arbutin, die den Prozess der Melanogenese aktiv blockieren.
Wie viel Sonnencreme sollte man auf das Gesicht auftragen? (2-Finger-Methode)
Um das tägliche Abmessen der richtigen Produktmenge zu erleichtern, verwendet man die Zwei-Finger-Regel. Drücke zwei dicke Cremestreifen über die gesamte Länge des Zeige- und Mittelfingers aus. Diese Menge (ca. 1,25 ml) garantiert, dass du Gesicht, Ohren und Kieferlinie mit einer Schicht bedeckst, die einen tatsächlichen, dem vom Hersteller angegebenen SPF entsprechenden Schutz gewährleistet.
SPF im Laufe des Tages erneut auftragen – wie geht das über dem Make-up?
Filter werden durch Strahlung, Schweiß und mechanisches Berühren des Gesichts abgebaut. Wenn du dich in der prallen Sonne aufhältst (Strand, langer Spaziergang), ist ein erneutes Auftragen alle 2–3 Stunden erforderlich. Unter städtischen Bedingungen reicht es aus, den Sonnenschutz vor dem Verlassen des Büros erneut aufzutragen, wenn du im Büro arbeitest und dein LSF auf Filtern der neuen Generation basiert.
Wie trägt man Sonnenschutz über dem Make-up erneut auf? Moderne Lösungen helfen dabei: Sprays mit LSF, Mineralpuder mit hohem Lichtschutzfaktor im Pinsel sowie spezielle Schwämmchen (Beautyblender), mit denen sich eine leichte Schutzemulsion sanft auftupfen lässt, ohne die zuvor aufgetragene Foundation zu beeinträchtigen.
Fakten und Mythen zum Sonnenschutz
Rund um das Thema LSF haben sich viele Missverständnisse entwickelt, die anhand wissenschaftlicher Fakten endgültig geklärt werden sollten.
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Mythos: Die Verwendung von LSF führt zu einem drastischen Vitamin-D-Mangel.
Fakten: Kein Filter blockiert UVB-Strahlung zu 100 %. Selbst bei konsequenter Verwendung von LSF 50 erreicht die Haut noch genügend Strahlung zur Synthese von Cholecalciferol. Außerdem reicht für eine optimale Vitamin-D-Produktion eine 15-minütige tägliche Exposition von Unterarmen und Beinen ohne Filter außerhalb der sonnenreichsten Stunden aus.
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Mythos: Wenn die Foundation LSF 15 und die Creme LSF 30 hat, beträgt mein Schutz LSF 45.
Fakten: Sonnenschutzfilter addieren sich nicht mathematisch. Dein Schutz entspricht dem Wert des höchsten aufgetragenen Produkts – in diesem Fall LSF 30 (vorausgesetzt, beide Produkte werden in ausreichender Menge aufgetragen).
Nicht nur das Gesicht: Sonnenschutz für Haare und Lippen
Die Gesichtshaut ist nicht alles. UV-Strahlung schädigt auch die Haarstruktur, oxidiert das Melanin und führt zu Trockenheit, Brüchigkeit sowie zum Verblassen der Farbe (sowohl der natürlichen als auch der gefärbten). Während des Aufenthalts in der Sonne empfiehlt es sich, leichte Sprays mit UV-Filtern für die Haarsträhnen zu verwenden und die Kopfhaut (Scheitel) mit einer stilvollen Kopfbedeckung zu schützen.
Die Lippen enthalten nahezu kein Melanin und haben eine sehr dünne Oberhaut, wodurch sie blitzschnell lichtgeschädigt werden und spröde aufspringen. Ein schützender Lippenstift oder Lippenbalsam mit LSF 30 oder 50 gehört daher unbedingt in jede Handtasche.